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Rhein-Zeitung (Westerwälder Zeitung) vom 04.12.2009 (RZ-Online)

 

Lahnweinbau weiter sichern

Moderne Arbeitsweisen sollen Winzern helfen

Leerstandskataster, Sozialatlas, Einrich Bus'je und Kulturkalender sind einige Ergebnisse der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE), die in den vergangenen zwei Jahren in den Verbandsgemeinde Bad Ems, Nassau und Katzenelnbogen stattgefunden hat. Ob und wie es nun weiter geht, steht derzeit in Nassau zur Entscheidung an. Die Nachbarn haben der Fortsetzung bereits zugestimmt.

 

NASSAU. Die Zukunft des Weinbaus in den Gemeinden Weinähr und Obernhof ist nach Auffassung von Bürgermeister Udo Rau (CDU) eng mit der Fortführung der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) verbunden. Das machte der Verwaltungschef in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses der Verbandsgemeinde Nassau deutlich.

Das vom Land Rheinland-Pfalz geförderte Regionalmanagement könne es den heimischen Winzern ermöglichen, "die Betriebsverhältnisse, die an die 50er- und 60er-Jahre erinnern, zu modernisieren", sagte Rau. Ein Ziel sei es, zusätzliche Weinbergsflächen in der Gemarkung Obernhof nutzbar zu machen. "Der Lahn-Wein ist ein Nischenprodukt. Die Winzer können die Nachfrage derzeit gar nicht befriedigen", sagte Rau.

Zugleich soll ILE dazu führen, die Bewirtschaftung der Wingerte zu mechanisieren, um die Kosten zu senken. Nur so könne man der derzeitigen Generation und möglicherweise in die Region kommenden jungen Winzern eine Perspektive bieten. "Wenn allein dies gelingt, wird sich ILE gelohnt haben", sagte Rau.

Zuschuss vom Land

Zur Debatte stand im Ausschuss die Frage, ob ILE bis 2012 fortgeführt werden soll. "Wir sollten nicht auf halbem Weg stehen bleiben", sagte Walter Ellermeyer (SPD). Nach zwei Jahren steht nun die Verlängerung um drei Jahre im Raum, der die Räte der benachbarten Verbandsgemeinden Bad Ems und Katzenelnbogen, die im Rahmen von ILE mit Nassau kooperieren, bereits zugestimmt haben. Aufgrund der zurückgehenden Zuschüsse des Landes - für 2010 steuert Mainz noch 71 000 Euro bei, 2012 nur noch knapp 43 000 - sprachen sich die beteiligten VGs dafür aus, bei gleich bleibendem Eigenbeitrag das Gesamtbudget zu reduzieren. In den kommenden drei Jahren zahlt jede Verbandsgemeinde jeweils rund 7000 Euro. Der Ausschuss empfahl einstimmig, ILE weiterzuführen. Eine Entscheidung wird der Rat treffen.

Projekt gilt als vorbildlich

Laut Bürgermeister Rau hat auch das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) empfohlen, das Regionalmanagement fortzuführen. Das Projekt ILE Lahn-Taunus gelte im Land als vorbildlich. Unsinnig sei es jedoch, dass die Planung der kommenden drei Jahre neu ausgeschrieben werden müsse. "Wenn sich dabei ein neues Büro durchsetzt, müsste es sich komplett neu in die Materie einarbeiten", sagte Rau. Er hoffe, dass sich das bisher beteiligte Institut für ländliche Strukturforschung (IFLS) in Frankfurt mit einem Angebot bewerben werde.

Große Bedeutung misst der Bürgermeister der Bodenneuordnung in den Ortsgemeinden bei. Der Prozess in Misselberg, Sulzbach und Dienethal habe gerade begonnen. "Ohne ILE wären diese Ortschaften gar nicht in den Genuss einer Flurbereinigung gekommen", so Rau. Zudem zahle das Land einen um fünf Prozentpunkte höhere Förderung. Oberwies und Dornholzhausen seien für das kommende Jahr ebenfalls für eine vorgesehen. In Winden werde zudem eine innerörtliche Flurbereinigung möglich, die es der Ortsgemeinde ermöglichen werde, leichter in den Besitz leer stehender Häuser und nicht genutzter Grundstücke zu kommen.

Die Schwerpunkte des Regionalmanagements liegen in den kommenden drei Jahren in den Bereichen Tourismus und Kultur, Landwirtschaft und erneuerbare Energien sowie Wohn- und Lebensqualität. Dazu gehören unter anderem die Ausbildung von Kulturführern, die Einrichtung eines "Zwei-Welterbe-Weges", die Förderung der Nutzung von Geothermie und Biomassenutzung sowie eine Ehrenamtsbörse. Ziel ist es außerdem, den in Singhofen ansässigen Verein der Freunde und Förderer von Bildung und Weiterbildung im Nassauer Land (VBW) zertifizieren zu lassen, damit er beispielsweise förderungsfähige Fortbildungen für Unternehmen anbieten kann. "Es gibt weit und breit kein solches Angebot", stellte Marco Neef vom IFLS die Bedeutung dieses Vorhabens heraus. (crz)

Weiterführende Links:

Strukturierung des Weinbaus an der Lahn (Projektskizze)