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Rhein-Lahn-Zeitung vom 10.10.2008 (RZ-Online)

Nievern: Projektgruppe gibt Denkanstöße

Alleinstehende Senioren haben es nicht einfach. Kommt dann ein Krankheit hinzu oder eine körperliche Behinderung, sind sie auf Hilfe angewiesen. Mit dieser Problematik haben sich jetzt die älteren Semester in Nievern beschäftigt.

NIEVERN. Im katholischen Pfarrheim von Nievern sammelten vorwiegend ältere Bürger jetzt Ideen, um auch in Zukunft auf dem Land im Miteinander von Jung und Alt lebenswert leben zu können. Die gleichnamige Projektgruppe der integrierten ländlichen Entwicklung (ILE) Lahn-Taunus war dazu aus der Verbandsgemeinde Nassau und aus Bad Ems angereist, um für ein stärkeres Miteinander und eine bessere Vernetzung der bestehenden Angebote zu werben.

Die Unterstützung Alleinstehender im Krankheitsfall, beim Einkauf oder alltäglichen Arbeiten, die Weitergabe von Wissen oder handwerklichen Fähigkeiten, die im Laufe eines Berufslebens erworben wurden, an Jüngere sowie eine bessere Information darüber, was an Hilfemöglichkeiten bereits vorhanden ist - das waren drei Themenschwerpunkte, die während des Nachmittags von den mehr als 30 Besuchern diskutiert wurden. "Es müsste bei uns vielleicht auch so etwas wie die Netten Nachbarn des Kreises eingerichtet werden", fasste Ortsbürgermeister Franz Lehmler die Erwartungen der Besucher als mögliches Ziel zusammen, "nicht nur für Nievern, sondern auch für Fachbach und Miellen." Wie schwierig es ist, etwa im Krankheitsfall Hilfe zu finden und in Anspruch zu nehmen, schilderte eine Teilnehmerin des Gesprächs. "Wenn man Arzt- oder Krankenhaustermine wahrnehmen muss, ohne mobil zu sein, steht man vor einem großen Problem." Selbst Kinder könnten da nicht immer zur Stelle sein, wenn sie berufstätig sind.

"Glücklicherweise leben wir auf dem Land, wo ein Rentner nicht drei Monate tot in der Wohnung liegt, bevor er gefunden wird", war sich ein anderer Teilnehmer sicher, dass es genügend Menschen in Nievern, Fachbach und Miellen gibt, die helfen würden, wenn sie denn wüssten, wo ihre Hilfe gebraucht wird. Vielleicht schäme sich mancher Hilfebedürftige auch, sich zu äußern. Für Ortschef Lehmler ein Grund mehr, dass es einer Vertrauensperson bedürfe, an die man sich wenden kann, und die auch entsprechende Informationen über Hilfsmöglichkeiten hat. Das könne, müsse aber nicht zwangsläufig der Bürgermeister sein. "Vielleicht ist auch jemand aus der Kirchengemeinde oder aus einem Verein dafür geeignet und bereit dazu", so Lehmler. Er nehme das Treffen zum Anlass, auch im Gemeinderat einmal über die Benennung eines "Seniorenbeauftragten" nachzudenken, bei dem die Fäden für den Austausch zusammenlaufen könnten.

Zuvor hatte Sabine Müller von der ILE-Projektgruppe "Lebenswert leben - Jung und Alt profitieren voneinander" die Entstehung und Ziele der ehrenamtlich engagierten Mitstreiter in den Verbandsgemeinden Bad Ems, Nassau und Katzenelnbogen vorgestellt. Eines der Hauptziele: die Gründung einer Serviceagentur, in der der Austausch zwischen Alt und Jung - sowohl für kostenpflichtige als auch Tausch-Angebote - organisiert wird. Stefan Hauser von der Beratungs- und Koordinierungsstelle (Beko) in Bad Ems, die dort bei der kirchlichen Diakoniestation angesiedelt ist, erläuterte den Besuchern die vielfältigen Beratungsangebote seiner Einrichtung, insbesondere was Pflegebedürftige und deren Angehörige anbelangt. Aber auch die Vermittlung individueller Hilfen bieten die vom Land eingerichteten "Bekos", sei es die Fußpflegerin oder der Friseur, die Hausbesuche machen, oder der Essenslieferant.

"Davon wissen, glaube ich, noch viel zu wenige Menschen", sagte Ortschef Lehmler und betonte, dass es für ein lebenswertes Leben von Alt und Jung auch dringend notwendig sei, die vorhandenen Angebote noch besser publik zu machen und zu verknüpfen. "Auch dabei wäre ein fester Ansprechpartner in jeder Gemeinde hilfreich."

Bernd-Christoph Matern

Protokoll der Veranstaltung
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