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Hilfe für Senioren

Rhein-Lahn-Zeitung vom 02.10.2008 (RZ-Online)

Projektgruppe stellt Arbeit in Winden vor: Ältere Menschen, die in Dörfern leben, haben es oft schwer im Alltag. Hilfestellung will die Projektgruppe "Lebenswert leben - Alt und Jung profitieren voneinander" geben. Um konkrete Lösungen anzubieten, bindet die Gruppe die Senioren aktiv ein. Jetzt war sie in Winden zu Gast.

WINDEN. Die Projektgruppe "Lebenswert leben - Alt und Jung profitieren voneinander" der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) Lahn-Taunus war jüngst beim Seniorenfrühstück der katholischen Pfarrgemeinde St. Willibrord in Winden zu Gast. Sprecherin Sabine Müller stellte den Anwesenden kurz das Projekt und die Ziele vor.

Im Großen und Ganzen geht es darum, das Miteinander aller Generationen zu stärken und die Lebensqualität der Menschen in der Region zu verbessern. Hierfür soll zum einen ein gemeinsames Netzwerk aller bestehenden Institutionen aufgebaut werden. Dazu gehören unter anderem die Beratungs- und Koordinierungsstelle (Beko), das Seniorenbüro "Die Brücke" oder das Mehrgenerationenhaus in Zollhaus. Auch Kirchen, Vereine und die Ortsgemeinden sollen einbezogen werden. "Eine Internetplattform ist in Vorbereitung", betonte Müller. Sie unterstrich, dass es bei diesem Projekt nicht darum geht, sich gegenseitig Konkurrenz zu machen. "Es geht darum, sich untereinander zu ergänzen", so die Sprecherin der Gruppe.

Um die Angebote, die es schon gibt, bekannter zu machen und um zu prüfen, was noch fehlt, gehen Vertreter der Gruppe "Lebenswert leben" in die Region zu den Menschen - wie in Winden. Nachdem Stefan Hauser die Aktivitäten der Beko kurz vorgestellt hatte, war die aktive Teilnahme am Prozess der rund 25 Senioren selbst gefragt. Müller und Marco Neef vom Institut für Ländliche Strukturforschung baten die älteren Herrschaften, drei Aspekte zum Thema "Lebenswert leben" aufzuschreiben, die ihnen wichtig seien. Auf dieser Basis sollen unter anderem neue Dienstleistungen für Senioren sowie Angebote für Kinder und Jugendliche entwickelt werden.

Ein großes Problem für die Windener ist - wie es sich herausstellte -, dass es kein Lebensmittelgeschäft mehr gibt. "Ich habe zwar eine Tochter im Haus, die für mich einkaufen fährt. Aber es ist doch schöner, wenn man selbst gehen kann. Einen Einkaufsladen hier zu haben, das wäre eine feine Sache", sagte die 79-jährige Anneliese Noll.

Das sieht die 92-jährige Helene Kurth genauso. "Man hat ja schon ein Problem, wenn man eine Briefmarke kaufen möchte", erzählte sie und berichtete vom stundenlangen Warten hinter dem Fenster, um den Postwagen abzupassen. "Man wartet und wartet, und er kommt nicht. Und wenn man nicht achtgibt, dann verpasst man ihn", sagte sie und fügte hinzu: "Schwierig ist es hier auch, an eine Karte zu kommen, wenn man zum Beispiel einen Geburtstagsgruß schicken möchte." Zwar würde ihre Schwiegertochter sie regelmäßig fragen, was sie bräuchte, "aber mir wäre es lieber, wenn ich die Dinge selbst erledigen könnte", sagte die 92-Jährige. Aber nicht nur Problematisches, sondern auch Positives über Winden gaben die Senioren der Projektgruppe mit auf den Weg. "Alle Vereine werden ehrenamtlich geführt, und es ist immer ein Helfer da", lobte die 69-jährige Annemarie Ludwig. "Das gilt auch für den Fall, dass man einen Fahrer braucht oder auch für die Organisation des Seniorenfrühstücks. Dieses ehrenamtliche Engagement, das ist gut bei uns in Winden", unterstrich die Seniorin.

Zu den weiteren Dingen, die die Windener beschäftigen, gehören unter anderem: Entlastung bei der Pflege der an Demenz erkrankten Personen oder die Verkehrsanbindung. Alle Anregungen und Aspekte fließen in die Arbeit der Projektgruppe "Lebenswert leben - Alt und Jung profitieren voneinander" - auch, wenn es nicht systematisch zur Umsetzung aller Wünsche kommt.

Am kommenden Mittwoch, 8. Oktober, ist die Projektgruppe in Nievern zu Gast. Von 15 Uhr an stellt sie ihre Arbeit im Pfarrheim vor und wird ebenfalls die Senioren bitten, sich aktiv zu beteiligen, damit die Dienstleistung an den Senioren weiterentwickelt werden kann. (sm)