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Kataster soll die Leerstände verringern

Rheinzeitung vom 12.06.2008 (RZ-Online)

Arbeitsgruppe der Integrierten Ländlichen Entwicklung bereitet Befragung von Immobilieneigentümern vor - Ortskerne sollen belebt werden: Leere Häuser, verfallene Immobilien, verwaiste Dorfläden - so könnte die Zukunft der Ortskerne aussehen, wenn die Entwicklung weitergeht. Eine Arbeitsgruppe der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) befasst sich für das Gebiet von drei Verbandsgemeinden mit dem Phänomen und sucht nach Lösungen.

KATZENELNBOGEN/NASSAU/ BAD EMS. Es sieht düster für die Ortskerne aus, wenn die derzeitige Entwicklung ungestört weitergeht. In den Zentren der Gemeinde stehen immer mehr Häuser leer oder werden von Alleinstehenden bewohnt, und die jüngeren Generationen leben in den neueren Baugebieten am Ortsrand. Mithilfe der Integrierten Ländlichen Entwicklung, dem ILE-Projekt der Verbandsgemeinde Nassau, Bad Ems und Katzenelnbogen, soll gegen gesteuert werden. Bis zum Spätsommer soll eine Befragung aller Eigentümer erfolgen, deren Immobilien in Ortskernen liegen und nicht mehr oder in absehbarer Zeit nicht mehr bewohnt werden. Auch die Eigentümer freier Grundstücke sollen angesprochen werden.

Aktion soll Anregen

"Es soll eine aktivierende Befragung sein", erklärt Marco Neef vom Institut für ländliche Strukturforschung an der Uni Frankfurt, das den Prozess, der von Ehrenamtlichen aus den beteiligten Verbandsgemeinden getragen wird, begleitet. Folglich geht es nicht nur darum zu erfahren, welche Nutzungsvorstellungen die Eigentümer haben, ob sie verkaufen wollen, das Gebäude bereits einem Makler anvertraut haben und in welchem Zustand sich das Objekt befindet. Die Befragung soll jenen, die bislang nichts ans Verkaufen gedacht haben, einen Denkanstoß geben. Insgesamt gehe es darum, einen Denkprozess anzuregen, um die Menschen auf die kommenden Probleme hinzuweisen. "Das geht nur, wenn wir die Bürger informieren und viel Öffentlichkeitsarbeit machen", sagt Neef.

Derzeit wird allenthalben an einem Leerstandskataster gearbeitet, das zeigen soll, wo es leere Häuser gibt, wo die innerörtlichen Baulücken liegen, welche Gebäude bereits zum Verkauf stehen und welche aufgrund des hohen Alters der Bewohner wahrscheinlich bald verwaist sein werden. Die Verbandsgemeinde Nassau hat diese Daten bereits erhoben und auf Karten übertragen. In Katzenelnbogen besteht laut Rainer Heuser, Leiter des Bauamtes, bereits eine Liste, die noch in eine Datenbank eingepflegt werden muss. Und Bad Ems, die Verbandsgemeinde, die zuletzt zu ILE gestoßen ist, hat einen Sachbearbeiter mit der Aufgabe beauftragt. Sobald die Daten komplett vorliegen, soll die Befragung starten. Laut Arbeitsgruppen-Leiter Christof Heiber soll es nach den Sommerferien soweit sein.

Ziel aller Maßnahmen ist es, im Internet eine Plattform zu schaffen, mit deren Hilfe Immobilieninteressenten sich regionsweit einen Überblick verschaffen können, welche Gebäude in den Ortskernen zum Verkauf oder zur Vermietung stehen. Ärger mit Maklern befürchten Preußer und seine Mitstreiter nicht. "Wir wollen keine Konkurrenz zu den Etablierten sein", sagt er. Ansprechpartner blieben auch weiterhin die beauftragten Makler. Allerdings müssten Interessenten künftig nicht mehr auf den Internet-Seiten zahlreicher Anbieter schauen, sondern könnten sich zentral über das Angebot informieren. In Gesprächen mit den Banken in der Region hat Neef nach eigenen Worten nur positive Signale erhalten. "Wir wollen unsere Arbeit in jedem Fall transparent fortsetzen", verspricht er.

Praktische Erfahrung

In der Projektgruppe arbeiten zwei Ortsbürgermeister mit, die aus ihren eigenen Gemeinde die Folgen den demografischen Wandels kennen. Eckhardt Mangold ist Oberhaupt der 240-Einwohner-Gemeinde Dornholzhausen in der VG Nassau. "Um das Dorf herum bildet sich ein Gürtel neuerer Gebäude, während im Zentrum ein großer Hof leer steht", sagt er und verweist auf die finanziellen Gesichtspunkte. "Für jedes Neubaugebiet sind Beiträge zu zahlen, die teilweise von der Allgemeinheit getragen werden, obwohl es im Ortskern noch Wohn- und Bauplätze gibt." Sein Vorschlag: "Wir müssen in das Vorhandene investieren." Sein Dausenauer Amtskollege Jürgen Linkenbach weiß, dass immer mehr Häuser im Ortskern von älteren Alleinstehenden bewohnt werden. Allerdings sei der Ortskern auch vom starken Straßenverkehr gebeutelt. "Wir müssen dem Trend frühzeitig entgegenwirken, dürfen aber auch die Entwicklung an den Rändern der Gemeinde nicht vergessen." Immerhin gebe es wieder einen Dorfladen, der gerade für jene, die weniger mobil seien, eine wichtige Anlaufstation sei. Neef sieht gerade in der Infrastruktur eine Stärke der Ortskerne. Diese lasse sich jedoch nur aufrecht erhalten, wenn der Mittelpunkt des Dorfes auch bewohnt und belebt sei. (crz)