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ILEK: 33 Vorhaben gehen in neue Phase

Umsetzung der Projekte hängt von der weitergehenden Ausarbeitung ab

Rheinzeitung vom 21.02.2008 (RZ-Online)

Zukunftsorientierte Ideen tun der Region gut - und zwar über die Grenzen von Orts- und Verbandsgemeinden heraus. ILE-Vorhaben basieren auf grenzenloser Zusammenarbeit.

NASSAU/KATZENELNBOGEN. Der rheinland-pfälzische Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau hat in Nassau die Managementphase für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILE) der Region Lahn-Taunus eröffnet. In den kommenden Monaten werden die in den vergangenen anderthalb Jahren unter breiter Bürgerbeteiligung entwickelten Projekte Schritt für Schritt ausgearbeitet und eventuell umgesetzt.

33 Vorhaben haben Bürger der Verbandsgemeinden Bad Ems, Katzenelnbogen und Nassau - begleitet von Mitarbeitern des Instituts für Ländliche Strukturforschung in Frankfurt - gemeindeübergreifend entwickelt, angeregt und mit Zielen ausformuliert. Die Vorhaben sind den vier Arbeitsfeldern "Gewerbliche Bestandspflege", "Wohn- und Lebensqualität", "Dorfentwicklung", "demografische Entwicklung", "Tourismus, Naherholung und Kultur" sowie "Land- und Forstwirtschaft", "Erhaltung der Kulturlandschaft", "Naturschutz" zugeordnet.

Ideen wurden vorgestellt

Die Verbandsgemeinde-Bürgermeister Harald Gemmer (Katzenelnbogen), Josef Oster (Bad Ems) und Udo Rau (Nassau) freuten sich, dass acht Projektbetreuer vor den rund 240 Gästen in der Nassauer Stadthalle ihre Projekte selbst vorstellten. Eine Qualifizierungsoffensive hat zum Ziel, Weiterbildung und lebenslanges Lernen in der ländlichen Region nachhaltig zu fördern, und zwar für Interessenten aller Altersgruppen. "Joborientierung für Berufsstarter" heißt ein Projekt, das frühzeitig die Berufs- oder Ausbildungswahl von Jugendlichen durch entsprechende Kontakte fördern will. Ein Verwaisen der Ortskerne zu verhindern, hat sich ein anderes Projekt auf die Fahnen geschrieben - Leerstandskataster und Vermittlungsbörse sollen dabei helfen.

Die Idee eines anderen Projekts: Servicestellen in den Verbandsgemeinden könnten Angebot und Nachfrage von Dienstleistungen für Jung und Alt vermitteln. Sei es auf ehrenamtlicher Basis oder gegen Bares, ob Jugendliche nun ein Taxi oder Familien einen Babysitter brauchen, oder ob Senioren jemanden suchen, der ihnen Besorgungen macht oder sie zum Arzt fährt.

Im Bereich Tourismus wurde vorgestellt, wie man das Welterbe in Braubach und das in Becheln durch einen Wanderweg verbinden kann. Wissenswerte Einblicke in Geschichte und Natur sollen entsprechend gestaltete Beobachtungspunkte auf freiliegenden Kuppen in der Lahn-Taunus-Region ermöglichen.
Vorgestellt wurden außerdem die Projekte "Regeneration Weg begleitender Saumbiotope" in Lollschied, Pohl, Ober- und Niedertiefenbach, der Ausbau von "Nahwärmenetzen", der die regionale Wertschöpfung stärken soll, sowie die Nutzung der "Geothermie" in Bad Ems.

Welche der 33 Projekte umgesetzt werden, hängt jetzt von deren weiterer Ausarbeitung ab. Für Wirtschaftsminister Hendrik Hering ist die aus der Flurbereinigung heraus entstandene ILE ein wichtiges Instrument für den Erhalt und Ausbau der Infrastruktur im ländlichen Raum. Nicht nur im Rhein-Lahn-Kreis, denn die ILE-Region Lahn-Taunus ist eine von etwa 20 in ganz Rheinland-Pfalz. "Es geht darum, Arbeitsplätze zu schaffen, den Tourismus zu fördern sowie erneuerbare Energie und den Erhalt und die Zukunft der Kulturlandschaft zu gestalten." Entscheidend sei dabei der ganzheitliche, themen- und Kommunen übergreifende Blick. Die Förderung des ländlichen Raums bleibe für die Landesregierung ein Schwerpunkt. Dabei gehe es auch um die Chancengleichheit gegenüber Ballungszentren. So werde das Land in den kommenden Tagen ein Konzept vorstellen, wie die weißen Flächen in Sachen DSL-Versorgung geschlossen werden können.

Förderung für fünf Jahre

Das Land fördert ILE, indem es 70 Prozent der professionellen Moderation des Prozesses fünf Jahre bezahlt - ein Förderbescheid über die ersten 98 000 Euro ist ergangen. Hering sagte gegenüber der RLZ, er gehe davon aus, dass die Strukturen anschließend so gefestigt sind, dass es einer Moderation nicht mehr bedarf, beziehungsweise dass bis dahin eine Vielzahl von Projekten umgesetzt wurde. Die breite Bürgerbeteiligung fördere das Verwaltungsgrenzen und Gremien überschreitende Denken und komme dem Wunsch vieler Bürger nach einer temporären Beteiligung entgegen. "Jetzt ist eine zeitnahe Umsetzung wichtig, um die Motivation der Mitwirkenden zu erhalten", so Hering. (cm)

Eine Übersicht aller Projekte findet sich im Internet unter www.ilek-lahn-taunus.de. Eine Mitwirkung in der Umsetzungsphase ist jederzeit möglich. Die ILE-Geschäftsführung ist bei der Verbandsgemeinde Bad Ems angesiedelt, Telefon 02603 / 793 180 (Regina Boch).